Die Pfadfinderbewegung hat ihren Ursprung im Jahre 1908 als Idee des englischen Generals Sir Robert Stevenson Smith Baden Powell Lord of Gillwell, der seine 30jährige Armeezeit in Indien und Afrika verbracht hatte. Baden Powell, abgeschreckt von den grausamen Erlebnissen im Krieg, gründete die Pfadfinderbewegung, um Jungen zu friedlichem Zusammenleben und Naturbewußtsein zu erziehen.

Die Mitgliedschaft war von Anfang an unabhängig von Gesellschaftsschicht, Rasse, Nationalität und Religion. Zum Zeichen der Aufhebung der Klassenunterschiede ließ Baden Powell seine "Scouts" das Pfadfinderhemd tragen. Diese Kluft ist also keineswegs als Uniform zu verstehen, sondern als Symbol für die Gleichheit und Zusammengehörigkeit untereinander. Als weltweites Zeichen der Pfadfinder führte er die Lilie ein. Sie erinnert an die Magnetnadel eines Kompasses, die den richtigen Weg weist.

Die Gründung dieser neuen Jugendbewegung "boomte" regelrecht und auf der ganzen Welt schossen neue Pfadfindergruppen aus dem Boden. Innerhalb kurzer Zeit kommt es zur Gründung der Weltpfadfinderbewegung (WOSM, World Organization of Scout Movement). Ihr gehören heute in 108 Ländern 34 Millionen Mitglieder an - allein in Deutschland fast eine halbe Million Jugendliche. Sie ist damit die größte Jugendorganisation der Welt.

Die Pfadfinder verstehen sich nicht als eine Wohltätigkeitsorganisation oder eine Art Schule, die einen bestimmten Lehrplan und Prüfungsrichtlinien hat. Pfadfindersein heisst: Auf dem Weg sein in Gebiete, die noch niemand kennt, sich neuen Erfahrungen öffnen, sich auf Abenteuer einzulassen und frei sein von den Zwängen immer wiederkehrender Abläufe.

"Ich lerne, nicht darauf angewiesen zu sein, daß mir Vorschriften, Gebote, Verordnungen und Drill den nächsten Schritt zum Leben, oder besser zum "Über-Leben" ermöglichen, sondern ich erprobe, wie weit und groß mein Leben und meine eigene Welt ist."

Der pädagogische Pfadfindergedanke beruht auf dem Konzept einer Pädagogik des Erlebens und der Verantwortung für den Einzelnen und die Gruppe. Diese stützt sich auf das Prinzip "learning by doing" und zwar dadurch, dass den Kindern und einzelnen Gruppen vermittelt wird, eigene Verantwortung zu tragen.

"Schnüffle nicht, um zu sehen, wie er die Aufgabe macht. Laß sie ihn auf seine eigene Art durchführen, laß ihn, wenn nötig, dabei stöhnen, aber in jedem Fall laß ihn allein und vertraue ihm, sein Bestes zu tun..."

Ein wichtiger Teil des Pfadfindertums ist die gemeinsame Unternehmung, das gemeinsame Projekt und die gemeinsame Organisation. Als Pfadfinder sollen die Kinder Gemeinschaftssinn lernen und in der Gruppe etwas auf die Beine stellen, sich für Ungerechtigkeiten und Mißstände einsetzen, sich die eigene Meinung sagen trauen, den Mund vor Ungerechtigkeiten nicht verschließen und da helfen, wo es nötig und möglich ist.

Ein weiterer wichtiger Bestandteil ist das Zeltlager. Draußen sollen die Kinder die Natur gemeinsam erleben und das richtige Verhalten in der Natur und den Einsatz für die Natur erlernen.